Porträt

Was bringt die Zukunft?

Der Feierabend besuchte die Astrologin Eliana Moravia

„Wir müssen uns positiv für den Wandel entscheiden. Das können wir nicht, wenn wir mit dem Argument, es war doch immer so, an Vergangenem festhalten. Ich freue mich auf alles, was kommt.“ Wenn Eliana Moravia bei zarten Trommelklängen und sanftem Kerzenlicht über die Zukunft spricht, sieht sie weder in Glaskugeln noch in Kaffeesatz. Mit Zauberei und Aberglaube hat die 44-jährige nichts im Sinn. Lediglich einige Blätter Papier liegen vor ihr auf dem Tisch. Auf einem stehen Stichworte nüchternen Inhalts wie „Technik“ und „Umwelt“. Ein anderes zeigt die Konstellation der Sterne über Köln am 1.1. 2000 zur Stunde null.

Die studierte Historikerin und Soziologin war jahrelang in der Kommunalpolitik und in der Frauenbewegung aktiv. Seit 15 Jahren beschäftigt sie sich mit Tarot und Astrologie. Die indische Mystik ist ihr ebenso vertraut wie der indianische Schamanismus. Seit drei Jahren bietet Eliana Moravia astrologische Beratung an. Zu ihren Kunden zählt bereits das WDR-Femsehen.

Das Morgenmagazin bat sie um eine Prognose, ob Scharping nach Brüssel gehe oder nicht. „Dabei ging es nicht um das eine Richtige oder das andere Falsche,“ erzählt Eliana Moravia, „für mich stellte sich die Frage, ob Scharping sich für seine Aufgabe oder sein Ego entscheiden würde. Tatsächlich hat er sich zu seiner Aufgabe bekannt.

„Meistens aber haben die Menschen, die zu Eliana Moravia kommen, ein Problem. ,,Meine Arbeit ist, Wege zu zeigen. Ich prophezeie nie Gutes oder Schlechtes, sondern ich zeige mögliche Entscheidungen und ihre Konsequenzen auf.“ Voller Freude erzählt die Astrologin von den vielen Möglichkeiten, die es stets auch in solchen Fällen gebe, in denen jemand nichts mehr für möglich hält. „Ich möchte den Menschen aus ihrem Denk-Hamsterrad heraushelfen. Und ich halte es für wichtig, jeden in seinem Glauben zu fördern.“ Und die Jahrtausendwende? Wird es tatsächlich eine Wende geben oder wird sich die Veränderung lediglich in der Jahreszahl zeigen? ,,Selbstverständlich gibt es eine Veränderung, und sie ist längst im Gange,“ antwortet Eliana Moravia und verweist aut die alltäglich gewordenen Katastrophenmeldungen in den Zeitungen. „Ob es nun zahlenmäßig mehr Katastrophen gibt als früher, sei dahingestellt. Allein die Tatsache, dass wir Katastrophen in solchem Maße unsere Aufmerksamkeit widmen, halte ich für bedeutend.“ Für manche Fachleute habe sich die Zeitenwende bereits in den Fünfziger Jahren vollzogen. Demnach hätte die neue Ära im Zeichen des Wassermanns mit den verheerenden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki begonnen. „Auf jeden Fall ist das Zeitalter noch jung,“ sagt die Astrologin und bemerkt ganz nebenbei, dass ein Zeitalter stolze 2400 Jahre dauert. Intellektueller Hochmut, mit Raketen andere Planeten anzusteuern, die Erde aber wie eine Müllkippe zu behandeln, das sei typisch für das Zeichen des Wassermanns.

„Wir haben den Respekt vor der Erde verloren und vertrauen auf eine Technik wie die Atomkraft, die perfekte Kontrolle erfordert. Das ist hochmütig, weil absolute Perfektion eine Illusion ist. Bei allem Tun spielt das Chaos mit, und zwar zu 20 Prozent.“ „In der neuen Zeit müssen die Menschen neue Glaubensgrundsätze und neue Lebensvorstellungen finden. Alte Muster, die wir im Zeichen der Fische entwickelt haben, funktionieren nicht mehr. Das sieht man am Beispiel des Generationenvertrags, den die Politiker noch immer diskutieren, der aber nicht mehr funktioniert,“ meint die Astrologin. Für Eliana Moravia gehört aber auch durchaus Positives zur Zeitenwende. Die Menschenrechte, die im ausgehenden 20. Jahrhundert immer weiter ins öffentliche Bewußtsein dringen konnten, sind für sie ein wesentlicher Fortschritt. „Dass die Umsetzung nur langsam erfolgt, liegt an unserer menschlichen Konstitution. Manche von uns müssen noch die Stammesfehden unserer Väter, Groß- und Urgroßväter austragen, so wie es im Jugoslawien Krieg geschehen ist.“ Eines der wichtigsten Themen des neuen Zeitalters sieht Eliana Moravia in der Individualität. „Auch Geborgenheit wird nicht mehr so sein wie früher, als man gefühlsmäßig vereint war. Nun bedeutet Geborgenheit Gedankenaustausch. Schließlich werden auch Beziehungen eine ganz andere Basis haben als zur Zeit unserer Großeltern. Damals stand das Haus der Partnerschaft noch im Zeichen der Jungfrau, und Beziehungen haben sich dadurch bewährt, dass man gemeinsam so etwas wie Familie und Alltag aufbaute. Nun aber steht Partnerschaft im Zeichen des Löwen. Das bedeutet, dass zwei Könige zueinander finden, was völlig andere Umgangsweisen voraussetzt als bisher: Jeder Partner verfolgt das Ziel der Selbstverwirklichung.“ Die Astrologin selbst aber hält Spiritualität für das wichtigste Thema. „Wir sind ja viel mehr als Körper und Geist. Gefühle und Spiritualität werden in unserer Kultur meistens völlig vernachlässigt.“ Vor allem alte Menschen hätten im Schamanismus die Aufgabe, das Leben der nächsten sieben Generationen zu träumen. Und schließlich sei Spiritualität das Paradies in uns. Als Beispiel führt Eliana Moravia den schwerstbehinderten Physiker Stephen W. Hawking an, der weltweit Berühmtheit als Genie genießt. „Das zeigt doch, wie wenig wichtig das Materielle ist und welchen Grad von Unabhängigkeit Geist und Spiritualität vom Körper erreichen können.“ Zum Schluss nennt die Astrologin ihr eigenes Ziel; erleuchtet zu werden.