Meditation und Märchen

Sie machen sich vertraut mit verschiedenen Entspannungsübungen, Fantasiereisen und Meditationsformen. Sie können – begleitet jeweils von einem Märchen – die verschiedenen Formen ausprobieren, und dann entscheiden, was sie davon in Ihrem Leben hineinbringen wollen und was Sie am besten untersützt.

Termine:
nach Absprache

Gruppengröße:
2 – 8 TeilnehmerInnen

Märchen

Heute erzähle ich euch einmal ein Märchen:

Es war einmal ein Volk von Energiewesen. Sie lebten in einer anderen Dimension, die uns völlig unbekannt ist. Diese Dimension existiert jenseits von Zeit und Raum.

Diese Energiewesen waren körperlos, so bestanden nur aus einer sehr hochschwingenden Gedankenenergie. Raum und Zeit gab es für sie nicht. Wenn sie einmal einen guten Freund besuchen wollten, brauchten sie nur an ihn zu denken – und schon waren sie bei ihm. Es war ein lustiges Leben. Alles, was sie haben oder erleben wollten – sie brauchten es sich nur zu denken – und schon war es da.

Natürlich mußten sich diese Energiewesen auch ernähren, wie alle Wesen. Ihre Nahrung war aber, ihrem Wesen entsprechend, nicht etwas Brot oder Milch oder so etwas, sondern eben reine Gedankenenergie. Davon gab es sogar zwei Formen. Die eine nannten sie Manna; es ist die Enegie, die dann entsteht, wenn man gute Gedanken hat, wie zum Beispiel Liebe oder Vertrauen oder so etwas. Die andere Form nannten sie Lusch; es ist die Energie, die dann entsteht, wenn man zum Beispiel Angst hat oder ärgerlich ist oder traurig.

Eines Tages dachten einige von diesen Energiewesen, daß es doch gut wäre, mehr von Lusch zu haben. Es war damals nämlich eine sehr seltene Speise, kaum zu bekommen. Da ersannen sie sich eine List, wie man an mehr Lusch kommen könnte.

Zunächst bauten sie sich – aus Gedanken natürlich – ein Gefängnis auf. In dieses Gefängnis wollten sie andere einsperren und dann dazu bringen mehr Lusch zu erzeugen. Das Gefängnis nannten sie „Universum“. Es war ziemlich raffiniert ausgedacht, sie hatten ja genügend Zeit, es sich auszudenken, es gab ja gar keine Zeit. Und genau das verwendeten sie gleich als ersten Baustein für ihr Gefängnis: es bestand aus Zeit und Raum. Dann kamen sie noch auf die komische Idee, alles, was sie sich ausdenken konnten, in zwei Hälften zu teilen: zu allem sollte es immer ein Gegenteil geben: gut und böse, hell und dunkel, einatmen und ausatmen, damit die Wesen, die sie gefangen nehmen wollten, immer auf der Suche nach ihrer Ganzheit sein sollten, um so viel Lusch zu erzeugen und um nie mehr aus dem Gefängnis ausbrechen zu können.

Dann statteten sie das Gefängnis verführerisch schön aus, damit die Wesen auch gerne hineingingen: Wiesen waren da und Wälder und Bäche und schöne Sonnenuntergänge und was sich eben so ausdenken läßt.

Eines Tages war es dann soweit: das Gefängnis war fertig. Es war wie ein großer Garten, in dem man jetzt nur noch den Samen säen mußte, um Lusch zu ernten. Und dann nahmen sie viele Energiewesen gefangen: mit einem ungeheuren Energieschlag, der etwa so war wie Blitz und Donner, nur ungeheuer stärker, versetzten sie ihre Gefangenen in eine ganz tiefe Schwingung, bis diese selbst Materie wurden. Das ging natürlich nicht auf einmal, sondern war eine Evolution, die viele Millionen Jahre dauerte. Aber Zeit spielte ja keine Rolle, es gab sie ja nur scheinbar. Man hatte sich sogar etwas Hübsches ausgedacht, um die Evolution erträglicher zu machen: die Wesen mußten immer nur für kurze Zeit in die ganz tiefe Schwingung der Körperlichkeit, dann durften sie wieder eine Zeitlang in einer etwas höheren Schwingung ausruhen, bevor sie erneut inkarnierten, um Lusch zu erzeugen. Mit jeder Inkarnation konnte man so die Evolution ein kleines Stückchen weiterbringen. Irgendwann hatte man es dann bis zum Menschen gebracht.

Und als die gefangenen Energiewesen sahen, daß sie aus dem Paradies vertrieben worden waren, begannen sie, Lusch zu erzeugen. Jede Möglichkeit, sich zu ärgern, nahmen sie wahr, jeder Konflikt war willkommen. Am schönsten, stellten sie sehr schnell fest, waren Kriege.
Was konnte man zum Beispiel bei einer Folterung nicht herrlich Lusch erzeugen! Sie wußten ja, daß sie dann von ihren Meistern belohnt werden würden.

Natürlich wurden sie auch gehörig von außen unterstützt. Manche seltsamen Ereignisse betrachteten sie einfach als Fügung, da sie es sich nicht anders erklären konnten. Es war da nämlich noch ein toller Nebeneffekt, der damals eintrat, als sie mit dem Energieschlag in langsame, materielle Gedankenenergie versetzt wurden: ihr Gedächtnis an alles, was früher war, wurde vollkommen ausgelöscht. Die einzige vage Erinnerung war nur die an den Energieschlag selbst. Manchmal, bei Gewitter, erinnern sie sich ein bißchen daran und haben dann Angst.

Manchmal gab es welche, die sich dem System widersetzten, weil sie es einfach durchschaut hatten. Gleichmütig sahen diese zu, wenn etwas Aufregendendes geschah, nie ärgerten sie sich, sie akzeptierten einfach alles. Natürlich wurden solche Wesen sofort aus dem Gefängnis herausgenommen, sie durften nicht mehr inkarnieren. Sie hätten sonst ja auch noch andere anstecken können mit ihrer Einfälltigkeit und das wäre gar nicht gut für das System gewesen.

Am tiefsten stürzte Luzifer, der als „Lichtträger“ natürlich für Energieveränderungen am empfindlichsten war. Und dementsprechend war seine Weise, Lusch zu erzeugen, am scheußlichsten, so daß alle anderen ihren ehemaligen Anführer allmählich zu hassen begannen.

Und solange sie das System nicht erkennen, sondern immer nur versuchen, dagegen anzugehen, werden sie noch lange das allerfeinste Lusch erzeugen. Manchmal höre ich viele begierige Lippen schmatzen.